Das barocke Landhaus diente einst als Wohnhaus auf einem Gutshof. Mittlerweile wurde die Umgebung komplett überbaut.
Die Ecke Maulbeerstrasse / Im Surinam nördlich des Badischen Bahnhofs heute.
Von den Originalelementen sind im Inneren des Hauses nicht mehr viele erhalten. Im Hintergrund das Schreinereigebäude mit dem Tragwerk von Heinz Hossdorf.
Innenansicht des Holzlagers und der raffiniert konstruierten Faltwerksdecke zur Bauzeit.
Einblick in die obere Werkhalle zur Bauzeit.
Die Überdachung des Holzlagers zur Bauzeit: später wurde das Dachgeschoss mit einer Fassade versehen.
Eckansicht mit Laufkranschienen zur Bauzeit: die Konstruktion war ganz auf eine reibungslose Lagerbewirtschaftung ausgerichtet.

Dilemma im Hirzbrunnen: Erhalt von Arbeitsplätzen versus Denkmalschutz?

Es ist keine einfache Situation auf dem Voellmy-Areal in der Nähe des Badischen Bahnhofs: Eine 125-jährige Schreinerei muss ihren Betrieb auf eine zeitgemässe Produktion ausrichten und sieht in einem Neubauprojekt mit Gewerbe- und Wohnnutzung die beste und effizienteste Lösung. Das Anliegen, Arbeitsplätze zu erhalten und das eigene Areal optimal zu nutzen, ist verständlich. Nur handelt es sich bei dem Grundstück im Surinam 65 nicht um eine leerstehende Brache. Im späten 18. Jahrhundert hatte der Industrielle Christoph Burckhardt-Merian hier ein Landhaus erbauen lassen. Es war Teil des Schorengutes, das sich damals weit ausserhalb der Stadt befand. Im Lauf der Jahrhunderte wurde die Umgebung jedoch so stark umgestaltet und überbaut, dass der ländliche Kontext des barocken Wohnhauses komplett verloren ging. Als letztes Landhaus seiner Art in Kleinbasel steht das charmante Gebäude heute eingepfercht zwischen Gewerbebauten.

Eines dieser gewerblichen Objekte ist seinerseits äusserst bemerkenswert. 1959 von Vischer Architekten erbaut, enthält das Schreinereigebäude eine wegweisende Faltwerk-Konstruktion, die der herausragende Basler Ingenieur Heinz Hossdorf entwarf. Mit der geschickt konzipierten Überdachung des ehemaligen Holzlagers brachte Hossdorf komplexe Anforderungen des Baugesetzes und Brandschutzes mit der nötigen lichten Höhe zur Durchfahrt des Laufkrans für die Lagerbewirtschaftung unter einen Hut. Ganz nebenbei erzielt er damit auch eine beeindruckende Raumwirkung.

Aus dem Inventar entlassen

Sowohl das barocke Wohnhaus wie auch der Gewerbebau müssten Instand gesetzt werden. Nachdem das Wohnhaus von der zuständigen Denkmalpflege als «nicht schützenswert» befunden und aus dem Inventar schützenswerter Bauten gestrichen wurde, entschied der Regierungsrat auch im Falle des Schreinereigebäudes gegen eine Inventarisierung. 

Einsprache gegen Totalabbruch

Das Neubauprojekt auf dem Areal der Schreinerei sieht denn auch den Abbruch dieser zwei sehr unterschiedlichen Zeugen der Basler Baukultur vor. Dagegen erhebt der Basler Heimatschutz Einsprache: Ein Neubauprojekt, das den Totalabbruch sämtlicher Gebäude auf dem Areal vorsieht, sei unausgereift. Er fordert in einer Mitteilung vom 7. Oktober die Ablehnung des Baugesuchs und die Erarbeitung eines Bebauungsplanes, der zumindest die Erhaltung der Hossdorf-Werkhalle vorsieht. Auch den wirtschaftlichen Bedürfnissen der Bauherrschaft nach Wohn- und Gewerberäume könnte damit Rechnung getragen werden.

Medienmitteilung vom 7. Oktober 2019
Einsprache vom 3. Oktober 2019 

Medienberichte

Weitere innovative Konstruktionen von Heinz Hossdorf in Basel:

«Wie konnte es passieren, dass ausgerechnet in der Architekturstadt Basel, wo Baukultur und Denkmalpflege einen vergleichsweise hohen Stellenwert haben, zwei erhaltenswerte Baudenkmäler zum Abriss freigegeben werden?»

Lukas Gruntz am 31.1.2019 auf ArchitekturBasel

«Der Basler Ingenieur Heinz Hossdorf (1925-2006) galt international als Koryphäe auf seinem Gebiet der Hybridstatik. Der Behördenentscheid ist absolut unverständlich und zeigt einmal mehr, dass das Verständnis für die neuere Baukultur noch entwicklungsfähig ist!»

Hans-Peter Thür im Leserbrief an die Basler Zeitung, 8.2.2019

En cours / Monthey, VS

Seul et dernier témoin du passé ferroviaire à Monthey en danger

Le Buffet de l'AOMC, une bâtisse emblematique de Monthey, doit disparaître afin de permettre la construction d'un immeuble comprenant logements, commerces et un parking souterrain. L’association du Vieux-Monthey s'oppose à la démolition de cet édifice.

En cours / Bern, BE

Meienegg – erste genossenschaftliche Wohnsiedlung Berns bedroht

Die Stadt Bern und die Fambau-Genossenschaft als Eigentümerin sind sich einig: Ein Grossteil der Siedlung Meienegg – einer der wichtigsten Zeugen der Nachkriegsarchitektur in Bern – soll abgebrochen werden. Und dies obwohl die Siedlung in gutem Zustand ist. Für die Fachwelt ist der geplante Abbruch unverständlich. 

En cours / Steinhaus, VS

Helfen Sie mit bei der Instandstellung des «Heidehüs» aus dem 15. Jahrhundert

Freiwillige gesucht! Das wohlproportionierte spätmittelalterliche Wohnhaus steht seit Jahren leer und zerfällt. Die Stiftung Baustelle Denkmal hat mit dem Besitzer des Heidehüs vereinbart, das Gebäude im Baurecht zu übernehmen und in Stand zu stellen. Nun sucht sie für den Sommer 2020 freiwillige Helfer.

Feed: Cas présenté sur Facebook, Twitter,...